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Lehrjahre
„Was habe ich davon, Praktizierendes Mitglied des Metamorphischen
Verbandes zu werden? Ich praktiziere seit einiger Zeit mit Familienmitgliedern
und Freunden. Einige bieten mir jetzt auch eine Bezahlung an
und ich danke ihnen mit der Bemerkung, dass das Geld für
die Zeit ist, die ich mit ihnen verbringe, nicht für die
Einzelarbeit als solche. Wenn sie das verwundert, erkläre
ich mit den Worten meines Metamorphose-Lehrers, dass sie zu mir
gekommen sind, weil sie schon dabei sind, sich zu wandeln. Ich
bin dafür da, ihnen einen Platz zur Verfügung zu stellen,
der ohne Richtungsvorgabe ist. Die Richtung vom Samen zur Pflanze
ist in der Essenz des Samens vorgegeben, die Richtung der Transformation
ist in der Essenz ihrer Muster enthalten, die sich von einer
Ebene zu einer subtileren Ebene umwandeln. Nachdem ich all dies
gesagt habe, bemerke ich entweder einen glasigen Blick oder ein
höfliches Zuhören, nur selten eine tiefgehende Aufmerksamkeit.“
Angeschlossenes Mitglied zu werden bedeutet, das es eine Bereitwilligkeit
gibt, im Rahmen von Form und Zeit, ernsthaft die Elemente zu
erforschen, die bei der Transformationsbewegung wirksam werden,
den Auslöser zu entdecken, der aktiv wurde, als zwei unvollkommene
Zellen - Samen und Ei - ihre Formen aufgaben und die Zygote erschaffen
wurde. Nehmen wir das pränatale Muster als Modell, beginnt
jetzt ein spezifischer Rhythmus mit verschiedenen Phasen. Die
Angeschlossene Mitgliedschaft kann mit der nachgeburtlichen Zeit
verglichen werden; auf der Ebene des Bewusstseins bildeten wir
uns als Mensch und Individuum heraus. Als nächstes kommt
die beginnende Bewegung, die Öffnung zur Welt. Nachdem ein
Angeschlossenes Mitglied zehn Menschen ca. 50 Einzelstunden gegeben
und selbst etwa zwanzig Stunden erhalten hat, bewirbt sie/er
sich um die Mitgliedschaft als Praktizierende/r. Diese Verbindlichkeit
wird formal bestätigt und Name und Adresse dieses Menschen
werden durch die Programme und das Internet öffentlich verbreitet.
Jetzt befinden wir uns in der vorgeburtlichen Phase, in der sich
das soziale Sein herausbildet. Und was ist mit Geburt und Handlung?
Diese spielen sich in wunderbarer Weise erneut ab, wenn die Lebenskraft
in Klienten und Metamorphikern schöpferisch tätig wird
und Muster sich wandeln.
Ein Praktizierendes Mitglied zu werden bedeutet, sich bewusst
in das Kontinuum der Energie zu stellen, die seit Anfang des
Universums in der Natur und auf allen Ebenen der Existenz am
Wirken gewesen ist. Es ist eine stärkere Verpflichtung,
aufzuhören, die natürliche Transformationsbewegung
zu behindern. Damit einher geht - durch innere Einsicht - wenn
der Verstand den Sturzbach an Informationen nicht zu stark blockiert
und das Ego in den Dienst des Herzens gestellt wird - ein Verständnis
für die Bewegung der Natur: eine Bewegung der ständigen
Erneuerung, des Reichtums und des Überflusses. Welches ist
das besondere Merkmal dieser Intelligenz, die diese ganze Bewegung überwacht?
Der Verstand kann nur mutmaßen. Die Intuition jedoch,
die Gnade der Ein-Sicht, entschleiert zuweilen das Rätsel,
offenbart eine Anwesenheit, die die gesamte Existenz durchzieht.
Nennen wir sie das „Sein“ der Metamorphose, einen
Atemhauch, eine sublime Eigenschaft des Lebens. Transmission
entstammt diesem Sein und durch Initiation stimmen praktizierende
Metamorphiker ihre Energien darauf ein.
Menschen, die eine Einzelstunde mit der Metamorphischen Methode
suchen, befinden sich selbst schon in einer tieferen Verbindung
mit dieser Eigenschaft; sie suchen nach einem Metamorphiker,
der durch Nichtverhaftung die Richtung respektiert, die ihnen
ihre Lebenskraft schon vorgibt. Es kommt zu einem Zustand der
Resonanz zwischen Metamorphiker und zukünftigem Klienten,
so dass sich die zwei Menschen begegnen können. Vertieft
sich die Nichtverhaftung, werden andere Klienten angezogen.
Die Teilnehmer eines Seminars werden in der praktischen Arbeit
mit der Metamorphischen Methode sowie zu einigen ihrer grundlegenden
Prinzipien, speziell zur Nichtverhaftung unterwiesen. Diese innere
Haltung der Nichtverhaftung kann nur durch Übung vertieft
werden, nicht durch eine mentale Entscheidung oder durch Willenskraft.
Das Ego bietet seine ganze Kraft gegen das Herz auf und umklammert
jeden Strohhalm, um sein Überleben zu sichern. Die Lehrjahre
haben begonnen. Man gibt Einzelstunden, die Wichtigkeit der Nichtverhaftung
wird deutlicher, das Sein der Metamorphose löst Hindernisse
auf, die die Transformationsbewegung behindern. Zuweilen sagen
Angeschlossene Mitglieder, sie täten ihr Bestes, um „ihre
50 Stunden zusammen zu kriegen“ and sie würden hart
daran arbeiten, Praktizierende Mitglieder zu werden, um somit
das Ziel zu erreichen, das sie sich gesetzt haben. Möglicherweise
jedoch entspricht es dem Geist der Metamorphischen Methode eher,
den Prozess durch Nichtverhaftung entfalten zu lassen.
Wenn Praktizierende Mitglieder an einer Ausbildung zum/r Lehrerin
teilnehmen, hat sich ihr Mitgehen mit der Transformation um ein
vielfaches vertieft, da diese Menschen zustimmen, mit ihrer jeweiligen
Seinsqualität als Instrument für die Transmission zur
Verfügung zu stehen. Die Grundelemente der Transmission
dienen der Offenbarung der Größe, der Schönheit
und des Herrlichkeit dessen, wer ihre Schüler sind. Eine
bestimmte Lehrzeit ist notwendig, wenn sich eine weitere Einstimmung
auf ein subtileres Energie-Kontinuum herausbildet. In dieser
Zeit können sie ihre Seminare als Einführung in die
Metamorphische Methode bewerben und ihre Schüler dazu befähigen,
mit Familienmitgliedern und Freunden in einem Kontext der Nichtverhaftung
zu arbeiten. Die Lehrzeit besteht darin, Erfahrung im Unterrichten
der Methode zu erlangen.
Was bestimmt die Transformation? Was gewährleistet die
Bewegung? Woher kommen Anordnungen und Richtung? In welchem Schmelztiegel
sind Feuer und Leere enthalten? Welcher Art ist die Matrix? An
welche Dimension müssen wir diese Fragen stellen? Oder prosaischer
ausgedrückt: wie können wir Metamorphose definieren?
Da ist eine Form, dann eine andere Form, dazwischen ein Tod und
ein Auslöser: der Tod der Raupe, des Samens, dann ein Schmetterling
und eine Pflanze. Mit jedem Atemzug reproduzieren wir dieses
Ritual.
Zwischen dem Ein- und Ausatem gibt es eine Pause, eine Flaute,
eine Abwesenheit von Bewegung. Die Form der Luft verliert ihre
Eigenart sobald der Körper ihre Energie zur eigenen Erhaltung
absorbiert, für sein Fortbestehen als eine Lebensform. Man
kann sagen, dass es einen Tod gegeben hat, den Tod des Luftschluckes,
der eingeatmet wurde. Energie kann aufgenommen werden, weil dieser
Tod stattgefunden hat. Die Energie der Luft wird zur Energie
des Körpers. Transformation geschieht außerhalb von
Raum, Zeit und Materie oder Form, im „Bereich“ der
Einheit. Es gibt nur eine Kraft, eine Energie und den Tanz der
Formen.
Es gibt zwei Arten der Einweihung: die eine weiht und beendet
eine Seins- Bewegung, die erforscht, durchgearbeitet und nach
eine Phase der Ausübung integriert wurde. Bei der anderen
Art werden neue Türen oder Gänge geöffnet, als
Antwort auf den Wink subtilerer Dimensionen, die sich gern selbst
offenbaren möchten. Für gewöhnlich werden diese
Initiationen durch eine Zeremonie gegeben. Bei der Metamorphischen
Methode ist das anders. Es gibt keine äußere Autorität,
die irgend etwas erteilen könnte. Die Zeremonie ist ein
inneres Ereignis und die zwei leitenden Kräfte oder ‚Geistlichen’ sind
die Lebenskraft und die angeborene Intelligenz des Menschen.
Die gesamte Bewegung vom Angeschlossenen Mitglied über
Lehrzeit und Praktizierendes Mitglied zum auszubildenden Lehrer
und darüber hinaus geschieht auf natürliche Art und
Weise durch die Nichtverhaftung. Auf diesem Weg erleben wir möglicherweise
herrliche Momente der Transformation, innere Einweihung, Einstimmung
auf Übertragungslinien, die völlig in der natürlichen
Welt verankert sind. Und ist nicht das Buch der Natur immer das
wichtigste Buch gewesen, von dem die Metamorphische Methode inspiriert
wurde?
Gaston Saint-Pierre
Ü bersetzt von: Christine Pieler und Karin Monte,
www.wegdermitte.de
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